Bericht: Spirit of Speyside Award Judging

Am 22. März 2019 fand im Scotia Spirit in Köln zum vierten Mal das deutsche Votum zum Spirit of Speyside Whisky Festival Judging Award statt. Bei diesem können alle Brennereien aus der Speyside ihre besten Whiskys für den Wettbewerb im Rahmen des Spirit of Speyside Festivals einreichen (diese findet vom 01.-06. Mai 2019 statt), eine Fachjury entscheidet aus den über 50 Einreichungen über die acht Finalisten in insgesamt vier Kategorien.
  • Alter bis 12 Jahre: Benromach 10 vs Cardhu 12
  • Alter 13-20 Jahre: Benromach 15 vs Glen Grant 15
  • Alter über 21 Jahre: Aultmore 21 vs The Glenlivet 21
  • Non-Age Statements: Glen Moray Cabernet Finish vs Tamdhu Dalbeallie
Die Angaben der Finalisten finden sich zwar auf der Website des Festivals, ansonsten ist das Award Judging jedoch völlig als Blindtasting ausgelegt. Acht Whiskys stehen auf einem mit den Buchstaben A-H markierten Blatt bereit, lediglich die Zugehörigkeit zur Kategorie ist für jeden Whisky benannt.
Da im Scotia Spirit in jedem Jahr weit mehr als 70 Teilnehmer/innen ihre Stimme abgeben wurde die Gruppe auf die verschiedenen Tastingräume aufgeteilt. Dennoch fand ein munterer Austausch zwischen den Teilnehmern statt, welcher jedoch nicht zwangsläufig das Wahlergebnis beeinflussen sollte.
TASTINGNOTES:
Alle Whiskys legten sowohl optisch als auch in der Nase einen höchst unterschiedlichen Auftritt hin, welches nicht zuletzt aufgrund der weit gestreuten Kategorien nicht überraschen war. Direkt in der ersten Kategorie (<12yo) war mit dem Benromach 10 auch ein rauchiger Whisky dabei, welcher mich direkt gefangen halten sollte. Mir kam hier ein richtig alte aber dennoch nicht ranzige Ledertasche entgegen, welche von dunkel fruchtigen Noten untermalt wurde. Der andere Wettbewerber Cardhu 12 wirkte elegant fruchtig, jedoch auch weniger komplex. Mein Favorit war hier eindeutig der Benromach 10!
In der nächsten Kategorie stritten sich der Benromach 15 und der Glen Grant 15 um den Titel. Der Benromach, obwohl mit schönen würzigen Noten ausgestattet unterlag hier jedoch gegen den Glen Grant, der ein wunderbares Potpourrie aus Lakritz, Kokos, Ananas, etwas Kräutern und Getreide bot. Dazu ein kräftiger alkoholischer Antritt welcher jedoch nicht unangenehm oder beißend daherkam.
In der dritte Kategorie (>21yo) wahr die Wahl für mich am schwierigsten, die Auswahl zugleich auch am enttäuschendsten. Beide Whiskys hatten eine gewissen Würze und dem Alter entsprechende Eleganz, ohne jedoch wirklich tiefgehende Aromenschichten freizulegen. Der Aultmore zeigte eher hellere Fruchtnoten in den Zitrusbereich sowie Vanille und Karamell, der Glenlivet deutlich dunklere Früchte. Aufgrund der kräftigeren Würzigkeit fiel die Wahl hier für mich auf den Glenlivet, ohne jedoch von einem der beiden vollends überzeugt zu sein.

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Die letzte Kategorie sollte die NAS-Whiskys für uns bereithalten, diese wurde an den Schluss gesetzt, da eine der beiden Proben fassstark war. Dass es sich hierbei um den Tamdhu handeln sollte war sofort in der Nase erkenntlich, dieser hatte deutlich intensivere alkoholische Noten und eine ganz leichte Parfümierung. Der Glen Moray Cabernet hingegen überzeugte in der Nase vollends durch tolle Parfüm- und Getreidenoten, welche mit der Zeit immer intensiver wurden. Im Mund konnte er dieses hohe Niveau jedoch nicht halten und das Weinfass sich nicht so dominant präsentieren. Der Tamdhu hingegen strotze derart vor Kraft, dass er unverdünnt fast nicht zu trinken war, ein Erlebnis, welches ich bisher selten hatte. Um beiden eine gleiche Chance zu geben wurde der Alkholgehalt daher angepasst, jedoch auch jetzt wusste der Tamdhu im Geschmack deutlicher zu überzeugen. Schade, dass das Weinfass der Glen Moray es nicht so intensiv in den Geschmack geschafft hat, sonst wäre dies ein echter Spitzenwhisky gewesen. So fiel in dieser Kategorie die Wahl auf den Tamdhu.
FAZIT:
Insgesamt hielt das Voting eine schöne Auswahl an Whiskys bereit, vor allem gefiel es mir, dass die etwas unbekannteren Brennereien wie Benromach und Tamdhu so zu überzeugen wussten. Ohne zu viel vorweg zu nehmen waren diese auch in der Gesamtwertung des Scotia Spirit sehr weit vorne, die vollständigen Ergebnisse werden jedoch erst im Rahmen des Festivals im Mai bekannt gegeben.
Der Abend an sich im Scotia Spirit wurde noch durch diverse Aktivitäten ergänzt, so gab es die Möglichkeit, mit den Mitgliedern des Festival Teams Linda Mellis und dem Chairman James Campbell in Kontakt zu treten und sich in lockerere Atmosphäre zu unterhalten. Das leibliche Wohl kam durch schottische Suppe, Sandwiches, Scones, Craftbeer und weitere Whiskys auch nicht zu kurz.
Gesättigt war ich spätestens nach dem Oatcake Wettessen, welches für mich als Sieger eine Flasche des Benromach 10 bereithalten sollte. Auch an den guten Zweck wurde gedacht, so gab es eine Tombola mit attraktiven Preisen, dessen Erlöse an Dat kölsche Hätz gespendet wurden.
So endete nach Mitternacht ein schöner Abend im Scotia Spirit und so ziemlich jeder dürfte satt und glücklich nach Hause gegangen sein. Für das Festival gibt es noch Restkarten für einige Veranstaltungen, alle Informationen finden sich auf www.spiritofspeyside.com
Vielen Dank an das Team des Scotia Spirit!
(Der Beitrag enthält unbezahlte Werbung)

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